1902-1932

Geboren wurde Heinrich Wilhelm Rühmann, das war der bürgerliche Name von Heinz Rühmann, am 07.03.1902, einem Freitag, um 02:30 Uhr, in Essen, Kettwigerstraße 1, im Hotel Stemme, das seinem Opa, einem Ingenieur bei Krupp, mütterlicherseits gehörte, als Sohn von Margarethe und Hermann, der in Wanne (Herne 5, Wanne-Eickel) die Bahnhofswirtschaft gepachtet hatte. Heinz Rühmann hatte einen zwei Jahre älteren Bruder namens Hermann.

1903 machte Heinz Rühmann Ferien auf Borkum.

Ein Jahr später wurde seine Schwester Ilse geboren.

Mit zehn Jahren, also 1912, musste Heinz Rühmann zur Kur nach  Bad Wildungen. Weswegen Heinz Rühmann zur Kur musste konnten wir trotz ausgiebiger Recherchen noch nicht klären. Im gleichen Jahr wurde er ins Gymnasium eingeschult. Auf dem Weg zur Schule wurde Heinz Rühmann von einem Stein bei einer Straßenschlacht am Mundwinkel getroffen. Die Narbe war immer deutlich zu sehen.

1913 übernahm der Vater in Essen das große Hotel "Handelshof" mit Restaurant, Bierkeller, Cafe und Weinstube, direkt neben dem Bahnhof. Die Privatwohnung der Rühmanns war in dem Hotel, was der Mutter aber zuviel wurde, da die Kinder überall im Hotel herumrasten, vor allem in der Konditorei. Deswegen mussten Heinz Rühmann und Hermann in ein Alumnat (Schülerwohnheim) im Bergischen Land in Lennep. Heinz Rühmann hatte Heimweh, war unglücklich, weinte viel und bekam in der Schule seine erste Ohrfeige - wegen fortgesetzten Fehlverhaltens.

1914 durften Heinz Rühmann und Hermann zurück nach Essen. Der Erste Weltkrieg hatte begonnen und Heinz Rühmann besuchte er die 2. Klasse der Oberrealschule in Essen, bekam sein erstes Fahrrad mit einer Glocke, die vom Vorderrad angetrieben mit einer Schnur betätigt wurde. 

1916 ging der Vater von Heinz Rühmann mit seinem Hotel Pleite. Er war zuletzt sein bester Gast. Die Eltern trennten sich. Heinz mit Geschwistern und Mutter wohnte von nun ab in der Brunnenstraße 74.

Heinz Rühmann zog mit seiner Mutter und den Geschwistern in die Schlotthauerstr. 5 in München, nachdem der Vater in Berlin Selbstmord beging.

Foto: Silke & Oliver Barchewitz

Foto: Silke & Oliver Barchewitz

Heinz Rühmann besuchte die nur wenige Strassen entfernt gelegene Realschule am Regerplatz, die Jahrzehnte später auch sein Sohn Peter besuchen sollte. Am ersten Schultag bestand die Mutter darauf, dass Heinz Rühmann seine Sonntagskleidung, einen Bleyle-Matrosenanzug anzog. Damit wurde er zum Mittelpunkt - alle lachten ihn aus. Als dann noch der Lehrer in der Klasse seinen Namen nannte, hatte er seinen Spitznamen weg: "Rührei". Trotzdem brachte Heinz Rühmann es später zum Klassen- und Schulsprecher und saß im Elternbeirat. Nach der Realschule besuchte Heinz Rühmann die Luitpold-Schule, um das Abitur zu machen. Aber er wurde immer schlechter in der Schule, und das hatte seinen Grund: Heinz Rühmann hatte das Theater entdeckt. Heinz Rühmann wollte zum Theater, und seine Mutter unterstützte ihn auf jegliche Weise, als sie merkte, dass Heinz Rühmann von seinem Vorhaben nicht abwich. irgendwann in dieser Zeit machte Heinz Rühmann seine ersten Theatererfahrungen. Im Theaterverein in München an der Augustenstrasse spielte er in der Aufführung von "Der Müller und sein Kind" mit, als Geist im letzten Akt. Das Abitur war abgehakt. Er verließ die Schule mitten im Schuljahr.

Fotos: Silke & Oliver Barchewitz

Heinz Rühmann sprach Friedrich Basil vor, wurde aber abgelehnt, weil Basil schon fünf Schüler hatte und dadurch keine Zeit für einen weiteren. Heinz Rühmann war am Boden, wusste sich aber zu helfen. Er sprach eine Nachbarin an, von der er wusste, dass sie beim Ballett war und Basil kannte. Diese Frau erreichte, dass er ein zweites Mal vorsprechen durfte. Und diesmal klappte es. Heinz Rühmann war angenommen.

Ende 1919 nahm Heinz Rühmann eine erste Schauspiel-Unterrichtsstunde bei Hofschauspieler Friedrich Basil. "In München wurde damals geschossen, von heut' auf morgen wusste man nicht, welche Richtung regierte - ich aber hatte weder Ohr noch Blick dafür, büffelte klassische Rollen und lernte die Grundbegriffe der  Schauspielkunst. ... Wie jeder eifrige Schüler nahm ich auch die Gewohnheiten und Eigenarten meines Lehrers an. Bei Friedrich Basil war dies ein  >verschnupftes< Sprechen. Also sprach ich auch so und hatte bald meinen ersten Theaterspitznamen weg: 'Der kleine Basil'." schrieb Heinz Rühmann später in seiner Biographie.

Später, in dem Bildband "Heinz Rühmann - Ein Leben in Bildern" sagte Heinz Rühmann über Josef Kainz: "Er war damals, so um 1920, mein großes Vorbild."

Direktor Richard Gorter aus Breslau holte Heinz Rühmann nach nur einem halben Jahr Unterricht bei Basil in seine Heimatstadt. Rühmann wohnte bei der Witwe Barow in einer möblierten Bude, die wenig Miete kostete, weil sie Wanzen hatte. Doch das war total unwichtig. Nur das Theater zählte für ihn. Er gehörte dem festen Ensemble im Lobe- (1.100 Plätze) und Thalia-Theater (1.350 Plätze) an, spielte also an zwei Privat-Theatern, die allerdings zusammen gehörten. Dennoch reichte das Geld nie aus. Bei vielen Kollegen galt Rühmann als arrogant und war unbeliebt. Dabei war er nur schüchtern. Er war so schüchtern, dass er sich nicht vorzustellen traute. Ein Nervenleiden, eine Entzündung des Fazialisnervs, die er sich in München durch eine Erkältung zugezogen hatte, war Schuld an dieser Unsicherheit. Heinz Rühmann blieb nur ein Jahr in Breslau. Der neue Direktor Paul Barnay übernahm das Theater und das Ensemble, bis auf eine Ausnahme: Heinz Rühmann - wegen mangelnder Begabung.

Ein Jahr Erfahrung war nun vergangen. Eins von fünf Jahren, die ihm Friedrich Basil zustand, um einen künstlerischen Erfolg zu haben. Ansonsten solle Rühmann abtreten.

Rühmann bekam ein Angebot aus Hannover, vom Residenztheater (Direktor war damals Ewald Schindler), einen Einjahresvertrag als jugendlicher Liebhaber und Naturbursche, mit 120 Mark Monatsgage. Das waren 40 Mark oder 50% mehr als in Breslau. Hier in Hannover wohnte Heinz Rühmann in einem netten, freundlichen Zimmer, von dem aus er zu Fuß zum Theater gehen konnte. Mit Heinz Rühmann waren Theo (damals noch Theodor) Lingen und Rudolf Platte engagiert. Beide waren ebenfalls noch Anfänger, mit denen Heinz Rühmann bald ein freundschaftliches Verhältnis verband. Theo Lingen brachte Rühmann das Steppen bei.

Mit zwanzig Jahren, also 1922, erlebte Heinz Rühmann seine erste Primanerliebe. "Ich glaube, wir haben uns nicht einmal geküsst, aber wir waren glücklich, wenn wir zusammen waren, und dachten nicht einmal an Dinge, die heute selbstverständlich geworden sind."

Im Sommer schloss dann das Theater seine Pforten.

Rühmann ging nach Bremen an das Schauspielhaus, an dem er nur einige Monate blieb. Schuld daran war vor allem die Inflation. Das am Abend bekommende Geld war am nächsten Morgen schon nichts mehr wert. Hier spielte Rühmann den Billy Bartlett in "Der Mustergatte" - es war recht provinziell. In Bremen hatte Heinz Rühmann ein Zimmer in einer Villa, die zwei um die 60 Jahre alten Schwestern gehörte.

Heinz Rühmann zog wieder in sein altes Jugendzimmer bei Muttern in München ein. Es folgten ein kurzes Gastspiel in Braunschweig und ein erfolgloses Vorsprechen in Düsseldorf.

Otto Kustermann, der Leiter der "Bayerischen Landesbühne", ein gehobenes Wandertheater, 1921 vom Bayerischen Kultusministerium gegründet, engagierte Rühmann für zwei Rollen.

1923 wurde Rühmann ans Schauspielhaus (727 Plätze) in der Maximilianstrasse engagiert - als Naturburschen und Bonvivant - sein erster fester Vertrag. Direktorin war damals Hermine Körner.

Am 09.08.1924 heiratete Heinz Rühmann die 4Jahre ältere Jüdin Maria Bernheim, als Schauspielerin Maria Herbot ebenfalls an der "Bayerischen Landesbühne", allerdings im anderen Schauspieler-Gruppe, engagiert, auf dem Standesamt München I, Am Petersberg l, Heiratsurkundenbescheinigungsnummer 931. Beide wohnten danach in München, Ismaninger Straße 102. Maria gab die Schauspielerei auf und wurde Heinz Rühmanns Privatregisseurin beim Rollenstudium.

Und dann kam das erste Angebot, in einem Stummfilm mitzuspielen. Rühmanns Schwager Otto Bernheim (* 22.03.1906) arbeitete als Sekretär bei der 1918 gegründeten Emelka-Filmfirma und hat Rühmann wahrscheinlich die Rolle verschafft. Geza von Bolvary führte Regie. Engagiert wurde Rühmann für 10 Tage à 50 Mark Gage. Theaterdirektorin Körner willigte ausnahmsweise ein. Zu dieser Zeit hatte Rühmann sein erstes Auto, einen dreirädrigen "Diavolo", mit dem er also 10 Tage lang jeden Morgen ins Glas-Atelier in der Ungererstrasse fuhr, oder besser, den er meist in die Ungererstrasse schob, weil er streikte. Partnerin in "Das deutsche Mutterherz" war Margarete Kupfer, die seine Mutter spielte, und viel über ihren ungeratenen Sohn weinen musste. Am 28.07.1926 war Premiere. Rühmann besuchte mit seiner Mutter, ganz stolz über seinen ersten Film, ein drittklassiges Vorstadtkino Münchens. Aber seine Mutter erlebte die Filmszenen wie Wirklichkeit und erlitt, nach einer fast überstandenen Krankheit einen sehr ernsten Rückfall.

Kurt Horwitz, Schauspieler an den Kammerspielen hatte Rühmann an einem spielfreien Abend im Schauspielhaus gesehen und seinem Direktor Julius Gellner empfohlen. Dieser engagierte Rühmann sofort. Otto Falckenberg war hier Regisseur und sagte später über Rühmanns Spielweise :"Regie muss da aufhören, wo die Natur richtig funktioniert. Komik muss man nur als Ganzes einsetzen. Vor allem aber muss beim Komiker das Tragische als Gegengewicht vorhanden sein. Ein Komiker ohne Umschattung des Tragischen wird nie ein Menschendarsteller sein können, bestenfalls ein Spaßmacher."

Doch 1925 machte das Schauspielhaus zu. Hermine Körner ging zurück nach Dresden.

Am 19.09.1926 eröffnete Falckenberg die Kammerspiele im Schauspielhaus in der Maximilianstrasse, eine Fusion des Schauspielhauses in der Maximilianstrasse und der Kammerspiele in der Augustenstrasse. Heinz Rühmann und seine Frau wohnten in dieser Zeit in einer hübschen Wohnung im Herzogpark in der Kolberger Strasse.

1927 spielte Rühmann auch für eine Max-Reinhardt-Bühne in Berlin, für 70 Mark Abendgage, soviel hatte er in Breslau im Monat verdient. Er versuchte seinen Vertrag in München zu lösen, aber Direktor Kaufmann hielt ihm vor, dass seinetwegen die Erfolgsstücke mit ihm ausgefallen seien, und außerdem habe er sich hohe Vorschüsse zahlen lassen. Man einigte sich auf sechs Monate München und sechs Monate Berlin. Bis 1930 ging das so. Rühmann hatte zu der Zeit einen Drahthaarfox namens "Herr Moser". Auf das "Herr" bestand der Hund.

"Eltern und Kinder" (1928) war Heinz Rühmanns erste Rolle unter Heinz Hilpert Regie, 'mit dem mich von da an eine feste Freundschaft verband.'" Diese Freundschaft hielt bis zu Hilperts Tod 1967.

Am 12.09.1928 starb Heinz Rühmanns Mutter, am gleichen Tag musste Heinz Rühmann bei der Premiere von "Eltern und Kinder" spielen - eine Umbesetzung war nicht möglich.

Dann wurde Rühmann zu Probeaufnahmen für "Die drei von der Tankstelle" eingeladen. Vorgestellt hatte er sich bei Erich Pommern in Nickerbockers, zu den Probeaufnahmen erschien er jedoch im besten Anzug. Pommern war überhaupt nicht zufrieden mit den Aufnahmen und verlangte neue Probeaufnahmen mit Rühmann in Nickerbockers. Diesmal war Pommern zufrieden. Rühmann bekam die Rolle. Das Lied "Ein Freund, ein guter Freund" stammt aus diesem Film. Als Gage verlangte Rühmann 7.000 Mark, üblich war zu der Zeit für Anfänger eine Gage in Höhe von 5.000 Mark, aber Rühmanns Forderung wurde akzeptiert. Drei Monate dauerten die Dreharbeiten, weil der Film in drei Sprachen gedreht wurde. Synchronisation kannte man noch nicht. Am 15.09.1930 lief der erste Tonfilm mit Heinz Rühmann an - "Die drei von der Tankstelle". Heinz Rühmann hatte seinen Durchbruch geschafft. Rühmann bekam einen Einjahresvertrag bei der Ufa.

1931 gab es den Film "Der brave Sünder" unter der Regie von Fritz Kortner, seine erste Regiearbeit. Der Film wurde kein Erfolg. Erst 1954 kontaktierte Kortner Heinz Rühmann wieder - "Warten auf Godot" in den Kammerspielen.

1932 wohnte Heinz Rühmann in Berlin, Salzbrunner Straße 38 und hat einen Dackel namens Lumpi. 

© 2004 Michael Knoke
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