1946-1960

Nachdem Heinz Rühmann die Arbeitserlaubnis bekommen hatte, ging es zusammen mit Hertha los mit dem "Wanderzirkus Rühmann", so nannte sich das kleine Tourneetheater selbst. Die Tournee wurde nach einigen Wochen beendet, weil Rühmann im Sommer 1946 nach Berlin zu einer englischen Dienststelle beordert wurde.

Im Jahre 1947 wohnten Heinz Rühmann und Hertha Feiler in einer Holzbaracke auf dem Bavaria-Filmgelände, Berlin, der Bungalow war von Stalinorgeln zerstört.

Am 16.05.1947 gründete Heinz Rühmann die  Produktionsfirma "Comedia Rühmann-Teichs OHG" mit Alf Teichs, dem früheren Produktionschef der "Terra". Eine lachende und eine weinende Maske waren das Firmenzeichen. Ihre Sitze hatte die Firma in Berlin, München und Wiesbaden. Hertha hatte ihren Heinz Rühmann noch gewarnt, er solle die Finger davon lassen, er verstünde nichts von geschäftlichen Dingen, aber Heinz Rühmann liess es drauf ankommen. Es folgten Filme wie "Berliner Ballade", "Der Herr vom andern Stern" u.a., aber keiner wurde ein Erfolg.

Heinz Rühmann wirkte 1949 in dem Hörspiel "Du kannst mir viel erzählen..." mit. Aufgenommen wurde es im Funkhaus Hamburg an 3 Tagen.

Am 01.04.1951 wurde die Liquidation der Comedia in Münchener Handelsregister eingetragen. Heinz Rühmann ist dadurch bis über beide Ohren verschuldet gewesen.

Vier Jahre lang bekam Rühmann keine Filmangebote. Wer beschäftigte schon gerne einen Schauspieler, der Pleite gegangen war? Sohn Peter war bereits in einem Internat, aber es fiel oft schwer, das Schulgeld zusammenzubekommen. Maria kehrt aus Stockholm zurück und erwartet von Rühmann eine monatliche Unterstützung in beträchtlicher Höhe. Erst mit "Keine Angst vor großen Tieren" ging das Filmen wieder los. Rühmann schloss einen Exklusiv-Vertrag mit der Berolina. Dennoch gab die Berolina ihn für den "Hauptmann von Köpenick" frei.

1955 wurde Heinz Rühmann Ehrenmitglied der Internationalen Artistenloge und bekam die Goldene Ehrennadel für seine Clownrolle in  "Wenn der Vater mit dem Sohne" verliehen.

1957 bekam Heinz Rühmann den "Golden Gate"-Preis der Internationalen Filmfestspiele in San Francisco für den „Hauptmann von Köpenick“ und den Kunstpreis der Stadt Berlin sowie den Bundesfilmpreis.

Im gleichen Jahr wollte Kurt Ulrich mit Heinz Rühmann den Film "Ich war ein kleiner PG [Parteigenosse]" drehen, doch der Film kam nicht zustande. Axel Eggebrecht, ein ehemaliges KPD-Mitglied, deswegen auch zweimal von den Nationalsozialisten verhaftet und ins KZ Hainewald inhaftiert wurde, schrieb das Drehbuch. Doch Produzent Kurt Ulrich war mit dem Drehbuch nicht zufrieden. Es war ihm zu hart und dramatisch, nicht locker genug für einen "PG-Rühmann-Film". Trotz der von Eggebrecht durchgeführten Änderungen wird das Drehbuch abgelehnt und der Autor R.A. Stemmle mit einer Neufassung beauftragt. Warum wurde das Drehbuch Eggebrechts abgelehnt? Eggebrecht wollte den Parteigenossen Rühmann als  aufrechten und gutgläubigen Nazis darstellen. Ulrich und Rühmann wollten hingegen einen unschuldigeren Parteigenossen, mit dem sich das Publikum identifizieren konnte. Aber auch verschiedene Drehbuchfassungen von R.A. Stemmle wurden abgelehnt. Auch Helmut Käutner lehnte eine Mitarbeit an diesem Film ab, obwohl Rühmann ihn gerne dabei gehabt hätte. Auch Rühmann hatte Skrupel, die "Zeit zu klein zu machen", und er fürchtete, ebenso wie Käutner, dass man ihn als einen Vergangenheitsentsorger kritisieren könnte. Vielleicht hatte Rühmann auch Angst, man würde den Titel "Ich war ein kleiner PG" auf ihn persönlich beziehen. Jedenfalls wurde der Titel im Verlauf des Jahres 1957 in "Der kleine PG" abgewandelt. Dann wurde der Film aber erst gar nicht gedreht. Stemmle brachte 1958 seine Drehbücher als Roman heraus.

Am 06.08.1957 verstirbt Maria geschiedene Rühmann in München. Sie wird am 08.08.1957 im Krematorium Ostfriedhof feuerbestattet. Ihr Grab wird 1967 aufgelöst, weil die Friedhofsbehörde keine Angehörigen mehr ermitteln kann, die die Grabpflege übernehmen. Ihre Urne wird daraufhin in einem Sammelgrab beigesetzt.

1959 bekam Heinz Rühmann den Ernst Lubitsch-Preis des Clubs der Filmjournalisten Berline.V.. Seine Schulden, die Hälfte von DM 1.500.000,00, des "Comedia"-Konkurses hatte er in diesem Jahr schon abbezahlt. Seit 1952 hatte er die Hälfte seiner Gagen immer dem Gerichtsvollzieher, der zweimal die Woche kam, übergeben müssen. Aber aus Fehlern lernte man schon damals. Heinz Rühmann wurde bescheidener, hatte seinen etwas zu groß geratenen Hut abgesetzt und in die Hand genommen.

© 2004 Michael Knoke
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