Englisch-Premiere von
"Die Feuerzangenbowle"

Am 04.12.2002 präsentierte das Bath University Student Theatre die Premiere des Rühmann-Klassikers "Die Feuerzangenbowle" in englischer Sprache. Bis zum 07.12.2002 besuchten rund 40 Zuschauer jeweils an allen 4 Abenden die Vorstellung.

Besetzung:

Dr. Johannes Pfeiffer/Hans Pfeiffer

Fleisch

Mrs. Weber/Windscheidt

Dr. Hellwig

Direktor König/Knauer

Dommel/Bömmel

Waiter/Kellner

Professor Crey oder the Tash/Schnauz

Rosen

Ackermann

Lamm/Luck

Banker Etzel

Rudi Keiler/Knebel

Husemann

Oberschulrätin

Marion

Eva König/Knauer

Paul Malloy

Amanda Branson

Amanda Branson

Marian Pott

Marian Pott

Martin Radford

Andreas Speck

Andreas Speck

Clement Song

Bastian Brand

Kai Andrews

Kai Andrews

James Armstrong

Ben Woodward

Anna Simonyan

Renata Pires

Angela Mueller

Regie

Steve Greenhill

Und hier ein paar Bilder: 

Schnauz: “Wo ist der Brief, Pfeiffer?”

Pfeiffer zeigt Knebel Jiu-jitsu.

Pfeiffer (rechts): “Aber ich dachte doch nur…”
Direktor (links): “Sie sollen aber nicht denken.”

Boemmel: “… und wenn die Dampfmaschine Raeder hat, dann ist es eine Lokomotive – vielleicht sogar ein Lokomobil.”
Frau Windscheid: “Ach komm an mein Herz mein Kind.”
Lehrersitzung: (v.l. Boemmel, Direktor, Eva (Referendarin), Schnauz)
Schild: “Wegen baulicher Veraenderungen bleibt die Schule heute geschlossen.”

Luck: “Ich bin hier wegen dem Schild.”
Schnauz: “Es heisst nicht wegen dem Schild, sonder wegen des Schildes.”
Eva beginnt die Klasse zu dirigieren – “Die Loreley” (alle Songs in englischer Uebersetzung)
Schnauz schenkt (ECHTEN!) Heidelberwein in Reagenzglaesern aus.

Direktor:“Sie haben meine Oberprima vergiftet!”

Pfeiffer als Schnauz

Schulraetin zerrt an Schnauzes (echten) Schnurrbart: “Und nehmen Sie endlich diese alberne Verkleidung ab!”

Mehr Bilder finden Sie auf der Homepage der Theatergruppe.

Geschichte zur Auffuehrung der „Feuerzangenbowle“
(4-7.Dezember 2002, University of Bath)
 
1998 war das letzte Jahr meines Diplomstudiums der Chemie in Jena. Es war Tradition unter uns Chemiker eine Abschiedsshow zu geben. Mein Jahrgang entschied sich „Die Feuerzangenbowle“ als Rahmenhandlung zu nehmen: Der neugewaehlte Vorstandschef der „Tiefst AG“ gibt zu, dass er niemals Chemie studiert hat, sondern nur Jura. Die entsetzte Reaktion: „Was, Sie haben nie Chemie studiert? Dann muessen Sie nocheinmal zurueck zur Universitaet!“ Und dann ging es weiter in einer sehr freien Version der Feuerzangenbowle. Die Rolle, die ich vom Film am meisten mochte war die des Professor Crey, alias der „Schnauz“. Gluecklicherweise besass ich eine Videoaufnahme des Filmes und so lernte ich die Art und Weise dieses Charakters zu spielen durch wiederholtes Ansehen und Nachsprechen der relevanten Szenen. Ebenso las ich den Roman „Die Feuerzangenbowle“ und lernte so mehr ueber die Geschichte.
Seit dieser Zeit hatte ich ein starkes Interesse an ihr und als ich in meinem ersten Jahr meins Doktorstudiums in Bath, England, dem dortigen Theaterklub beitrat bekam ich die Idee „Die Feuerzangenbowle“ in Englisch aufzufuehren.
Als erstes versuchte ich herauszufinden ob eine Buehnenfassung existiert. Durch eine Suche im Internet fand ich einen Artikel einer Radiosendung, 1-2 Jahre alt, die ueber eine Auffuehrung der „Feuerzangenbowle“ berichtet. Von dort bekam ich die Adresse des fraglichen Theaters, der Landesbuehne Dresden. Diese gab mir dann endlich die Adresse der Firma, die die Rechte an der Buehnenfassung der „Feuerzangenbowle“ besitzt, der Gustav Kiepenheuer Buehnenvertriebs GmbH. Diese sagte mir, dass keine englische Fassung existiert, erlaubte mir aber das Stueck zu uebersetzen.
Es dauerte allerdings bis Februar/Maerz 2001 bis ich das Skript erhielt. Zu dieser Zeit spielte ich in dem Musical „Cabaret“ und konnte mich nicht um die Uebersetzung kuemmern. Danach war es zu spaet andere Studenten vor den Sommerferien zu finden um mir dabei zu helfen. Im August 2001 allerdings erhielt ich eine Mail von Studenten, die gerade eine Webseite genannte „Translateforfree“ aufgemacht hatten. Es waren Studenten, die Deutsch studieren und sich durch diese extra Arbeit ihren Lebenlauf aufwerten. Sie uebersetzten die ersten drei Szenen (von insgesamt 15) des Stueckes. Das gab mir wieder Hoffnung die Uebersetzung doch noch rechtzeitig fertig zu haben. So nahm ich im Oktober 2001 einen neuen Anlauf. Nach und nach fand ich genuegend Uebersetzer fuer alle Szenen – Studenten der University of Bath und Mitglieder der Bath German Society (teilweise ehemalige Deutschlehrer im Ruhestand). Ich selbst habe eine Szene im Zusammenarbeit uebersetzt. Zusaetzlich kuemmerte ich mich um Dinge, die nicht so leicht zu uebersetzen sind. So ist zum Beispiel in Szene 6 die gesamte Schlussszene der „Jungfrau von Orleans“ von Friedrich Schiller enthalten. Ein Buch, das dieses Drama enthielt war in England nicht zu erhalten, so bestellte ich es von dem Friedrich Schiller Institut in Washington. In Szene 5, wo Pfeiffer in Geographie mit Hilfe eines Spiegels vorsagt, spielte der Direktor darauf hin an, indem er Knebel fragte nach einem Vogel genannt Pazifischer Braunachselgoldregenpfeiffer. Nun in englisch ist das in etwa: Pacific Golden Plover. Da das als Wortspiel nicht funktioniert suchte ich in einem Biologiebuch nach alternativen Vogelnamen, die etwas mit Licht, Spiegel, Strahl oder Reflektion zu tun haben. Schliesslich fand den idealen Namen: Shining Sunbeam (ist ein Kolibri).
Mitte Maerz 2002 war die (grobe) Uebersetzung fertig und ich legte sie sofort dem neugewaehlten Kommittee des Theaterklubs vor. Es dauerte allerdings bis Juni 2002 bis ich Bescheid bekam. Es war leider nicht die Antwort auf die ich gehofft hatte. Sie sagten zwar, dass sie mich unterstuetzen wollten, aber Finanzierung woanders suchen sollte und den ueblichen Dezembertermin fuer ein anderes Stueck schon verplant hatten. Nun hatte ich gute Gruende „Die Feuerzangenbowle“ schon im Dezember 2002 aufzufuehren. Erst einmal war es das dritte und letzte Jahr meiner Doktorarbeit – ich haette eigentlich in keinem Stueck mehr spielen sollen, aber ich hatte in dieses Stueck schon zuviel Zeit investiert – und deshalb wollte ich es moeglichst schnell durchfuehren und zweitens sollte es rechtzeitig aufgefuehrt werden um in den Wettbewerb fuer das National Studentdramafestival (April 2003, Bescheid bekommen wir 4 Wochen vorher) eingebracht werden zu koennen. Der dritte, wenn auch weniger wichtige Grund war, dass Dezember auch Feuerzangenbowlezeit ist.
Ueber Sommer 2002 verbesserte ich (soweit es mir moeglich war) die Uebersetzung und suchte nach Sponsoren fuer das Stueck. Von der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft in London erhielt ich £100 aber alle moeglichen Firmen die ich anschrieb lehnten ab. So vorfinanzierte ich den Rest.
Anfang Oktober 2002 galt es dann erst einmal einen Regisseur, und dann die Schauspieler zufinden. Ich selbst reservierte die Rolle des Professor Crey alias Schnauz (oder Tash in Englisch) fuer mich. Einen guten Regisseur fand ich rasch, Schauspieler waren schwieriger, da durch das zweite Stueck weniger Leute verfuegbar waren. Die Buehnenfassung der „Feuerzangenbowle“ ist naeher an dem Roman als der Film, musste allerdings gekuerzt werden um zwei Stunden Auffuehrungszeit nicht wesentlich zu ueberschreiten. So wurde die Maedchenschule herausgenommen und nur hin und wieder mal erwaehnt. Um Eva, des Direktors Tochter zu behalten, wurde sie zur Referendarin gemacht, die am Penal vertretungsweise Musikunterricht gibt. Selbst mit diesen Kuerzungen ist die Besetzung mit 14 Schauspielern recht gross. Als wir mit Proben Mitte Oktober 2002 anfingen hatten wir nur 6, einschliesslich mir. Wenigstens hatten wir einen Studenten fuer die Rolle des Pfeiffer und den Musik Regisseur – das Stueck enthaelt 5-6 deutsche Volkslieder, wovon wir jeweils eine Strophe in englischer Uebersetzung verwendeten. Weitere Leute zu finden war schwierig. Die Rolle des Produzenten musste ich letztenendes selbst uebernehmen aber durch weiderholtes Aussenden von e-mails und Aushaengen von Plakaten (dazu gab ich dem Stueck den englischen Untertitel „The Punch“ (von flaming red wine punch) da „Die Feuerzangenbowle“ fuer Nichtdeutsche nicht sehr ansprechend ist) waren wir schliesslich 2 ½ Wochen vor Auffuehrung in der Lage unsere Besetzung zu vervollstaendigen. Bis dahin hatten wir Sonnabends und Sonntags jeweils etwa 4 Stunden geprobt, danach zusaetzlich 2-3 Studenen an 2-3 Wochentagen. 4 Tage vor Premiere liess uns der Darsteller, der Mehlworm (bei uns Seliger) spielen sollte im Stich, aber da seine Rolle recht klein war, konnten wir sie unter den anderen Schuelerrollen aufteilen.
1-2 Wochen vor Auffuehrung kuemmerte ich mich um die Werbung. Zusaetzlich zu den ueblichen Plakaten nahm ich Kontakt mit der lokalen Zeitung, dem „Bath Chronicle“ auf. Ich hatte mit ihnen zwei Telefoninterviews und ein Photograph kam vorbei um Bilder einer Feuerzangenbowle (speziell des brennenden Zuckerhutes) zu machen.  Der anschliessende Artikel (siehe datei) brachte mir einigen Aerger. Durch die nicht gerade guenstig gewaehlte Ueberschrift: „Trotz des Feuerwehrstreiks findet ein Feuerspektakel statt“ wurde der Chef des Departments wo das Stueck stattfand (wir mussten einen gewoehnlichen Hoersaal nehmen, da der Theaterhoersaal schon von der Tanzgruppe gebucht war) alarmiert und bewegte die Sicherheitleute die Auffuehrung des Stueckes (zumindest des Feuerzangenbowlesteils zu verbieten). So suchte ich die Feuerwehrleute auf und fragte sie, ob nicht ein paar Leute von ihnen (fuer freien Eintritt) sich in den Raum, wo das Theaterstueck spielt hinein setzen. Diese sagten aber, das Streik ist Streik. Gluecklicherweise wurde der Feuerwehrstreik zwei Tage vor der Premiere suspendiert und ich konnte in der Eroeffnungsszene eine echte Feuerzangenbowle (mit einem richtig schoenen Kupferkessel, noch aus DDR-Zeiten, wird glaube ich gar nicht mehr hergestellt) machen und diese (warmgemacht) in der Pause an die Zuschauer ausschenken was auch gut ankam. Davon haben die Darsteller waehrend der Vorstellungen natuerlich nicht abbekommen aber dafuer manchmal waehrend der Proben und in Szene 9 (die mir der alkoholischen Gaerung) bekammen sie echten Heidelbeerwein in Reagenzglaesern serviert (man sieht auf den einen Bild wie engagiert sie dafuer Schlange stehen.)
Die Auffuehrungen selbst waren ein Erfolg, die Stimmung wurde von Tag zu Tag besser und am letzten Tag bekam ich ab dem dritten „Setzen Sie sich, sie sind albern!“ (Be seated, you are foolish!) jedesmal einen Lacher. Unsere Besetzung mochte das Stueck ebenfalls und ich wurde schon gefragt, ob wir nicht irgendwann „Die Feuerzangenbowle II“ spielen wollen. Die gibts natuerlich nicht, jedoch habe ich das Stueck in den Wettbewerb fuer das NSDF (National Studentdrama Festival eingebracht) und falls wir angenommen werden, werden wir noch ein paar Vorstellungen dort im April in Scarborough geben.
 
Andreas Speck
Produzent, Uebersetzungsleiter und Prof. Crey alias „Schnauz“ (engl. „Tash“)